Remote-Audits & ISO 19011:2026

Die Auditpraxis hat sich in den letzten Jahren spürbar verändert: Mit der neuen ISO 19011:2026 erhalten Remote-Audits einen klaren normativen Rahmen

12 Juni 2026

Was sich jetzt für Auditoren und Unternehmen ändert

Die Auditpraxis hat sich in den letzten Jahren spürbar verändert: Was während der Pandemie als pragmatische Lösung begann, wird nun offiziell zum Standard. Mit der neuen ISO 19011:2026 erhalten Remote-Audits einen klaren normativen Rahmen. Ergänzt wird dieser durch die ISO/IEC TS 17012:2025, die konkrete Anwendungshinweise liefert.

Für Unternehmen und Auditoren bedeutet das vor allem eines: mehr Flexibilität – aber auch neue Anforderungen.

 

Remote-Audits werden zum festen Bestandteil

Die überarbeitete ISO 19011 verankert Remote-Audits als gleichwertige Ergänzung zu klassischen Vor-Ort-Audits. Wichtig ist dabei: Remote-Audits ersetzen die Vor-Ort-Prüfung nicht pauschal, sondern erweitern das Instrumentarium.

Ob ein Audit remote, vor Ort oder hybrid durchgeführt wird, hängt künftig stärker von klar definierten Faktoren ab. Dazu zählen unter anderem die Ziele des Audits, die Art der Prozesse sowie die verfügbaren technischen Möglichkeiten. Unternehmen gewinnen dadurch mehr Spielraum in der Auditplanung – müssen aber gleichzeitig strukturierter entscheiden.

 

Klare Leitlinien durch ergänzende Norm

Mit der ISO/IEC TS 17012 liegt erstmals eine spezifische Orientierung für Remote-Audits vor. Sie beschreibt, wie digitale Audits sinnvoll geplant, durchgeführt und dokumentiert werden.

Besonders relevant ist dabei die klare Abgrenzung: Remote-Audits sind kein „vereinfachtes Audit“, sondern ein eigenständiges Format mit eigenen Anforderungen. Aspekte wie Datensicherheit, technische Stabilität und geeignete Kommunikationswege rücken stärker in den Fokus.

 

Neue Anforderungen an Auditoren und Unternehmen

Für Auditoren bedeutet die Entwicklung vor allem eines: Kompetenzaufbau. Neben fachlichem Know-how werden digitale Fähigkeiten immer wichtiger. Dazu gehören etwa der sichere Umgang mit Tools, die strukturierte Durchführung von Interviews per Video sowie die Fähigkeit, Prozesse auch ohne physische Präsenz zuverlässig zu bewerten.

Auch Unternehmen stehen in der Verantwortung. Sie sollten ihr Auditprogramm überprüfen und gezielt festlegen, welche Bereiche sich für Remote-Audits eignen. Nicht alle Prozesse lassen sich gleichermaßen digital prüfen – insbesondere bei komplexen Abläufen oder sicherheitskritischen Themen bleibt die Vor-Ort-Prüfung unverzichtbar.

 

Technische und organisatorische Voraussetzungen

Ein erfolgreiches Remote-Audit beginnt lange vor dem eigentlichen Termin. Eine stabile IT-Infrastruktur, geeignete Softwarelösungen und klar geregelte Zugriffsrechte sind essenziell.

Ebenso wichtig ist der Datenschutz: Die Übertragung sensibler Unternehmensdaten muss abgesichert sein. Unternehmen sollten daher frühzeitig prüfen, ob ihre Systeme den Anforderungen entsprechen und ob interne Richtlinien angepasst werden müssen.

 

Fazit: Mehr Flexibilität – aber kein Selbstläufer

Die neuen Regelungen schaffen klare Rahmenbedingungen für Remote-Audits und machen sie zu einem festen Bestandteil moderner Auditprogramme. Gleichzeitig wird deutlich: Der Erfolg hängt maßgeblich von guter Vorbereitung, geeigneter Technik und geschultem Personal ab.

Unternehmen, die diese Faktoren frühzeitig berücksichtigen, können von effizienteren Abläufen und größerer Flexibilität profitieren.

 

Unsere Top 5

  1. Remote-Audits als festen Bestandteil deines Auditprogramms einplanen
  2. ISO/IEC TS 17012 als praktische Leitlinie aktiv nutzen
  3. Klar definieren, welche Prozesse remote auditierbar sind
  4. Technische Infrastruktur und Datenschutz frühzeitig sicherstellen
  5. Auditoren gezielt für digitale Auditmethoden qualifizieren