KI-Kennzeichnungspflicht: Was Unternehmen jetzt wissen und vorbereiten sollten

Ab August 2026 werden die Transparenzanforderungen der europäischen KI-Verordnung verbindlich.

17 Juli 2026

Ab August 2026 werden die Transparenzanforderungen der europäischen KI-Verordnung verbindlich. Parallel dazu entwickelt die EU-Kommission einen freiwilligen Verhaltenskodex, der Unternehmen konkrete Orientierung für die Praxis geben soll. Für Organisationen, die bereits mit KI arbeiten oder dies planen, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sich strukturiert vorzubereiten.

 

Transparenz wird zur Pflicht

Im Mittelpunkt steht Artikel 50 der KI-Verordnung. Er verpflichtet dazu, KI-generierte oder KI-manipulierte Inhalte klar als solche kenntlich zu machen. Gemeint sind alle gängigen Formate – von Texten über Bilder bis hin zu Audio- und Videoinhalten.

Besonders relevant ist dies für sogenannte „Deepfakes“. Darunter versteht man realistisch wirkende, aber künstlich erzeugte oder veränderte Medieninhalte, die echte Personen oder Situationen vortäuschen können. Ziel der neuen Regelung ist es, solche Inhalte für Nutzer eindeutig erkennbar zu machen und Vertrauen in digitale Kommunikation zu stärken.

 

Der Verhaltenskodex als praktische Orientierung

Ergänzend zur gesetzlichen Regelung arbeitet die EU-Kommission an einem Verhaltenskodex. Dieser soll konkrete Hinweise liefern, wie die Kennzeichnung technisch umgesetzt werden kann – etwa durch sichtbare Hinweise, Metadaten oder digitale Wasserzeichen.

Ein aktueller Entwurf wurde bereits veröffentlicht und bis Ende März 2026 zur Konsultation gestellt. Beiträge aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft sind bereits eingeflossen. Die finale Fassung wird für Juni 2026 erwartet und dürfte für viele Unternehmen eine wichtige praktische Grundlage darstellen.

 

Was das für Unternehmen bedeutet

Für Unternehmen hat die neue Regelung direkte Auswirkungen auf Marketing, Kommunikation und Content-Erstellung. Wer KI für Social Media, Produkttexte, Kampagnen oder Kundenansprache nutzt, muss künftig transparent machen, wo Inhalte automatisiert erstellt wurden.

Dabei geht es nicht nur um große Organisationen. Auch kleine und mittelständische Unternehmen sind betroffen. Entscheidend ist weniger die Unternehmensgröße als vielmehr der Einsatz von KI in der externen Kommunikation.

Die Herausforderung liegt vor allem in der organisatorischen Umsetzung: Prozesse müssen angepasst, Verantwortlichkeiten geklärt und technische Lösungen geprüft werden. Gleichzeitig bietet die Kennzeichnungspflicht auch eine Chance, Vertrauen bei Kunden und Partnern aktiv zu stärken.

 

Jetzt vorbereiten statt später reagieren

Auch wenn einige Details noch konkretisiert werden, ist die Richtung klar. Unternehmen, die sich frühzeitig mit den Anforderungen auseinandersetzen, vermeiden späteren Anpassungsdruck und können ihre Kommunikationsstrategie rechtzeitig darauf ausrichten.

Ein strukturierter Blick auf bestehende Prozesse und Tools hilft dabei, mögliche Lücken früh zu erkennen und gezielt zu schließen.

 

Unsere Top 5

  1. KI-Einsatz im Unternehmen systematisch erfassen und dokumentieren
  2. Entwicklungen rund um den EU-Verhaltenskodex aktiv verfolgen
  3. Interne Richtlinien zur Kennzeichnung frühzeitig definieren
  4. Tools auf Kennzeichnungsfunktionen wie Wasserzeichen oder Metadaten prüfen
  5. Teams in Marketing und Kommunikation rechtzeitig sensibilisieren und schulen